Tag #214-217 Whistler

   

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Am vierten Tag meines Roadtrips habe ich geschlafen wie ein Baby. Ich war ganz geschockt, als ich erst um 8:00 Uhr aufwachte. So langsam habe ich mich an mein enges, schiefes, kaltes und hartes Bett im Auto gewöhnt. Ich schlafe im Kofferraum, eingekuschelt zwischen meinem Koffer, einer Kartonsteige mit meinen Lebensmitteln, einer Box mit Küchenutensilien und zwei kleinen Kommoden mit meinen Klamotten. Ich vermute, dass das auch hilft, mich in der Nacht warmzuhalten. Gefroren habe ich nämlich trotz Minusgraden noch nie.

Heute ging es nach Whistler. Dem wohl bekanntesten Skigebiet in Kanada. Dementsprechend sind die Preise. Für stolze 190 € kann man sich hier die Skipiste mit zahlreichen anderen Wintersportbegeisterten teilen, wodurch man gut und gerne mal 30 Minuten pro Liftfahrt anstehen darf. Für mich war es das nicht wert. Ich habe bereits meine Skitage hinter mir und freue mich auf die nächste „günstige“ Saison in den Alpen. Der Ort hat aber natürlich noch mehr zu bieten. Zuerst habe ich mir einen kleinen Stadtpark mit See angeschaut. Eigentlich führt um den See im Winter eine Langlaufloipe, die sicherlich super schön wäre. Allerdings liegt inzwischen nicht mehr genügend Schnee, weshalb ich den Weg zu Fuß auf mich nahm.

Anschließend ging es in die Ortsmitte. Zu meinem Erstaunen ist die Stadt ganz anders aufgebaut als alle anderen Städte hier in Kanada. Es gibt gigantische Parkplätze am Rand der Innenstadt, welche Gebühren kosten!!! 1,70€ pro Stunde oder 7€ pro Tag. Also noch human, zu den Preisen in deutschen Innenstädten. Die Innenstadt selbst ist autofrei!!!! Das hat sich einerseits sehr vertraut und angenehm angefühlt, andererseits war es auch super ungewohnt, nach so langer Zeit mal wieder in einer Fußgängerzone zu sein. Whistler hat mich damit wirklich positiv überrascht und ich würde sagen, dass das die einzige Stadt in Kanada war, welche wirklich einen Besuch wert ist. Alle anderen Städte kann man sich echt schenken und sollte sie nur für notwendige Einkäufe oder andere Besorgungen aufsuchen. Nicht einmal Vancouver hat mir wirklich zugesagt.

Ich verbrachte also einige Zeit in der Stadt, stöberte durch Souvenirläden, gönnte mir leckere Crêpes und schaute den Skifahrern beim Sulzefahren zu.

Danach ging es für mich zum „Train Wreck“. Übrig gebliebene Güterwaggons von einem Zugunglück von 1956, welche einfach zu beschädigt waren und sich die Bergung nicht rentierte. Was die Deutsche Umweltschutzbehörde dazu sagen würde, weiß ich nicht … Fakt ist: Über die Jahre ist der Ort zu einem beliebten Ort für Graffiti-Künstler, Filmproduzenten und Touristen geworden, was ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte.

Die Schaukel nahe des Flusses war aber auch ein echtes Highlight.

Nachdem ich wieder einmal vor verschlossener Schranke am Campingplatz stand, wurde es spät. Glücklicherweise fand ich 50min vor Dunkelheit noch einen anderen Platz, wo ich in Rekordzeit mit Abendessen vorbereitete und mich bettfertig machte. Aufgrund der Bärenaktivität in der Gegend versuche ich zu vermeiden, nach Dunkelheit draußen zu sein. Schließlich könnte ich die Bären dann nicht einmal mehr sehen. Das Bärenspray ist zumindest beim Kochen immer in Griffweite. Essen lockt die Tiere natürlich an, besonders jetzt, wo sie hungrig aus ihrem Winterschlaf erwachen.

Am nächsten Morgen wurde ich dann von einer verschneiten Landschaft überrascht. Mit Regen hatte ich bereits gerechnet, aber Schnee passt mir jetzt so gar nicht. Seitdem mein Wasserkanister am ersten Tag undicht war und meinen halben Kofferraum geflutet hat, kämpfe ich damit, mein Auto irgendwie trocken zu bekommen … Der Schnee hilft dabei sicher nicht.

Gegen Mittag war zum Glück alles wieder grün. Den Tag verbrachte ich dem Wetter entsprechend mit schreiben von Blogeinträgen und generell mit der Überarbeitung meiner Website. Es gibt jetzt einen Zeitstrahl über meine gesamte Reise auf der Startseite, es lohnt sich also auch da mal reinzuschauen 😉. Am Nachmittag ging es dann ins Schwimmbad, wie in Kanada üblich mit heißem Whirlpool und Sauna. So ein entspannter Tag tut auch wirklich mal gut.

Auch mein dritter Tag in Whistler begann mit Regen. Weshalb ich zuerst ein Museum der indigenen Bevölkerung besuchte. Hier wurde unter anderem gezeigt, wie diese die Rinde von Zedernbäumen ernteten und daraus Körbe, Teppiche, Hüte und andere nützliche Utensilien herstellten.

Anschließend ging ich zum Rainbow Fall (Regenbogenwasserfall). Für dieses Foto habe ich übrigens mein Leben riskiert. Vom Aussichtspunkt hat man den Wasserfall nur von der Seite gesehen, weshalb ich in einer waghalsigen Aktion den reißenden Fluss von Stein zu Stein überquerte. Habs zum Glück überlebt. Leider war das Licht dann etwas ungünstig.

Als Nächstes ging es dann zum Bandywine Provincial Park (Weinbrand Park). Leider war der Hauptparkplatz gesperrt, ich parkte stattdessen auf der anderen Seite des Parkes bei einer Bungee-Jumping-Brücke, von wo aus ich innerhalb einer Stunde zur Hauptattraktion des Parkes kam – einem Wasserfall. Dadurch bekam ich aber außerdem auch noch zahlreiche wunderschöne kleine Seen zu Gesicht. Am liebsten hätte ich alle fotografiert, aber zum einen hätte das den Rahmen hier gesprengt und zum anderen wurde es auch schon bald wieder dunkel.

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Squamisch bzw. Vancouver. Auf dem Weg dorthin hielt ich noch an dem Shannon Falls. Ein weiterer Wasserfall auf der Route. Zu meinem Erstaunen war hier die Hölle los. Kaum freie Parkplätze und Menschen überall … Viele Vancouverer nutzen wohl das lange Osterwochenende für einen Ausflug in die Berge. Die Car-Woche habe ich dieses Jahr übrigens sehr streng durchgezogen. Schließlich habe ich jede Nacht in meinem Auto geschlafen, gegessen und gewohnt1.

Anschließend ging es für mich weiter nach Vancouver. Eigentlich wollte ich die Stadt erstmal vermeiden, da ich kurz vor meinem Rückflug wahrscheinlich noch genug Zeit habe, die Stadt ausgiebig zu erkunden. Allerdings führt an Vancouver kein Weg vorbei, wenn man nach Vancouver Island will. Außerdem war es mal wieder ein verregneter Tag. Man merkt einfach, dass ich jetzt in einem Regenwald bin … Und zu guter Letzt war Sam auch gerade dort, weshalb ich mich mit ihm verabredete.

Quellen

  1. Markus Rees – danke Bruderherz für diesen urkomischen Scherz ↩︎

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