Tag #176 – #184 Cawston

   

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Cawston ist eine kleine Ortschaft im Similkameen Valley im Süden von British Columbia. Bekannt ist die Gegend hauptsächlich durch das trockene Klima und die zahlreichen Obstbaumplantagen sowie Reben. Hier werde ich nun auf einem kleinen Bauernhof meine nächsten Wochen verbringen. Wie auch schon am Anfang meiner Reise werde ich ein paar Stunden am Tag bei der alltäglichen Arbeit auf dem Hof unterstützen und erhalte im Gegenzug kostenlose Unterkunft und Verpflegung.

Nachdem ich Freitagabend angekommen und eingezogen war, wurde ich auch direkt zum Abendessen eingeladen. Es gab Pommes, Salat und Hühnersuppe von den eigenen Hühnern. Der Bauernhof wird von einem jüngeren Pärchen geführt (James und Jocelyn). Die beiden sind etwa Mitte 30 und erwarten gerade ihr erstes Kind. Schon beim ersten Abendessen wusste ich, dass es hier ganz anders wird als bei meiner vorherigen Gastgeberin. Alles war total zwanglos, wir waren direkt auf einer Wellenlänge und haben uns fast ein bisschen verquatscht. Am Samstag geht es dann auch direkt los mit der Arbeit. In ihrem Garten befindet sich ein altes Baumhaus, welches langsam vor sich hinrottet und dabei den Baum mit sich reißt. Deshalb haben wir uns damit beschäftigt, das Baumhaus abzureißen. Außerdem wollten wir noch meine Blinkerbirne tauschen. Nachdem wir den Scheinwerfer ausgebaut hatten, hat diese jedoch auf wundersame Weise wieder funktioniert. Zum Abend gab es dann Bärenbraten. James ist Jäger und darf pro Jahr zwei Bären erlegen. Diese sind hier regelrecht eine Plage, denn auch die Bären lieben das ganze Obst, welches hier an den Bäumen wächst. Geschmeckt hat das Fleisch quasi wie Rind.

Am Sonntag habe ich dann eine kleine Rundtour gemacht. Zuerst ging es über einen Forstweg über einen Gebirgspass mit einigen Seen. Dort herrscht tatsächlich noch tiefster Winter. An einem der Seen war ich etwas spazieren, leider hat es dann auch noch stark angefangen zu schneien, weshalb ich entschied, weiterzufahren.

Als Nächstes ging es dann nach Osoyoos in ein indigenes Wüstenzentrum. Hier wurde ausgestellt, wie die indigenen Völker in diesem Wüstengebiet vor hunderten von Jahren schon lebten und jagten.

Auf dem Rückweg entdeckte ich, dass ein Teil des Flusses zugefroren war, bzw. sich an einer Stelle viele Eisschollen sammelten. Das sah total faszinierend aus, vor allem wenn man bedenkt, dass der restliche Fluss überhaupt kein Eis mehr führte.

Zurück auf dem Hof bemerkte ich dann, dass aus meinem Motorraum Qualm aufstieg und es nach verbranntem Gummi/Plastik roch …

Die nächste Woche verbrachte ich mit Reben schneiden, Obstbäume schneiden, Heu für die Schafe auf- und abladen und dem Versuch, herauszufinden, was mit meinem Auto los ist. James kennt sich etwas damit aus und hat viel Zeit investiert, um herauszufinden, was los ist. Auch ein Nachbar, welcher Kfz-Mechatroniker im Ruhestand ist, hat einen Blick darauf geworfen. Diese Hilfe ist definitiv nicht selbstverständlich und dafür bin ich sehr dankbar. Bisher wissen wir zwar noch nicht sicher, was das Problem ist, aber wir tippen auf die Lichtmaschine. Nachdem James verschiedene Angebote von Ersatzteilen und Reparaturen eingeholt hatte, habe ich mich entschieden, das Auto in die Werkstatt zu bringen. Morgen habe ich einen Termin, mal schauen, was dabei herauskommt.

Ach ja, am Mittwoch hatte ich mir wegen meines Geburtstags freigenommen und viele Gespräche nach Deutschland geführt. Zum Abend gab es dann zur Feier des Tages noch Bärenburger.

Am Samstag haben wir dann Apfelsaft gepresst, das war tatsächlich recht gemütlich. Äpfel in den Muser werfen → Trotte füllen → und dann hieß es warten … Jocelyne füllt alles in Flaschen ab, während wir die nächste Ladung Maische vorbereiten. Die Trotte arbeitet mit Wasserdruck, weshalb man beim Pressen nur zuschauen muss und den frischen Saft trinken kann. Den Saft frieren sie übrigens in Plastikkanistern ein, so schmeckt er auch nach Monaten noch wie frisch aus der Presse.

Beim Apfelsaft Pressen, die Hühner sind natürlich immer dabei.

Am Sonntag habe ich dann eine Wanderung auf einen Berg in der Nähe des Hofes gemacht. Los ging es über eine Pferdewiese, durch ein dunkles Tal vorbei an einem Wasserfall, bis ich schließlich den ersten Blick in Richtung Tal erhaschen konnte.

Doch noch war ich nicht am Ziel. Für mich ging es also weiter bergauf. Immer wieder traf ich auf sehr lustige „Tannenhühner“ welche mir jedes Mal einen Riesen-Schrecken einjagten. Meist waren sie richtig gut getarnt, sodass ich sie nicht sah, aber sobald ich ihnen zu nah kam, flatterten sie mit einem Höllenlärm davon. Naja, so laut war es nicht. Doch im Vergleich zu der fast schon gruseligen Totenstille, die sonst auf dem Weg herrschte, riss mich dieses Geräusch, welches sich im Übrigen wie ein Hubschrauber anhört, oft aus meinen Tagträumen. Leider waren diese Vögel immer etwas schneller als ich, weshalb es nicht so einfach war, ein Foto zu schießen, doch fast am Gipfel erhaschte ich dann doch noch ein einigermaßen ordentliches Bild. Immer wieder hörte ich auch Spechte, welche sich jedoch ziemlich gut versteckten, doch auch hier gelang mir ein Bild.

Vögel waren aber nicht die einzigen wilden Tiere in der Gegend … Immer wieder sah ich Spuren im Schnee – Kojoten, Pumas oder Wölfe. Auch an einigen Bäumen waren Krallenspuren zu erkennen, vermutlich von Schwarzbären oder Pumas. Mein Weg führte mich weiter entlang eines komplett eingefrorenen Baches über schneebedeckte Felder …

Nach etwa vier Stunden aufstieg erreichte ich schließlich den Gipfel. Dieser war etwa fünfhundert Meter abseits des Weges, weshalb ich etwas querfeldein durch den Wald laufen musste. Obwohl ich fast schon besorgt darüber war, dass ich aufgrund der Dichte des Waldes, überhaupt keine Aussicht haben würde, nahm ich den Weg auf mich. Wenn ich schon mal da bin, muss der Gipfel schon mitgenommen werden. Und da war er, kurz davor hörten dann auch aus unerklärlichen Gründen die Bäume auf, was einen atemberaubenden Blick auf das Tal zum Vorschein brachte.

In der Sonne war es unglaublich warm. Während ich im schattigen, bewaldeten Tal, über welches ich hochgekommen bin, meinen Pulli und meine Jacke gebraucht habe, konnte ich hier entspannt im T-Shirt in der Sonne liegen. So verbrachte ich über eine Stunde, genoss die Sonne und verputzte mein Vesperbrot. Der Weg runter verlief über weite, baumlose Felder vorbei an einer kleinen Jagdhütte bis runter ins Tal, wodurch ich weiter jede Menge Sonne tanken konnte.

Es tut so gut, endlich wieder draußen in der Sonne sein zu können. Das Klima hier ist ganz anders als in Deutschland. In Deutschland haben wir das ganze Jahr über fast die gleiche Menge an sonnigen und regnerischen Tagen. Hier ist das meiner Erfahrung nach etwas anders. Im Sommer scheint jeden Tag die Sonne und es regnet fast nie, während sich im Winter die Sonne so gut wie nie blicken lässt. Das entspricht auch dem, was mir die Einheimischen erzählt haben. James und Jocelyne müssen von Anfang April bis Ende Oktober ihre Obstbäume bewässern! Regen gibt es in der Zeit vielleicht an vier oder fünf Tagen. Naja, nicht umsonst befindet sich hier auch eine Wüste. Nach etwa 25km und über 900hm erreichte ich dann wieder den Hof, glücklich und erschöpft …

Eine Antwort zu „Tag #176 – #184 Cawston“

  1. Avatar von noisilyf3408159bc
    noisilyf3408159bc

    Da hast du ja

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