Meine erste Nacht in einem richtigen Bett seit langem war leider weniger erholsam als erwartet. Ich musste das Bett und eine Decke mit Samuel teilen, was zur Folge hatte, dass ich die meiste Zeit ohne Decke dalag. Die Matratze war außerdem superweich und ich fühlte mich wie in einer Hängematte.
Müde und mit leichten Rückenschmerzen ging es dann los, das Auto fertig auszuladen und für den Verkauf vorzubereiten. In Vancouver scheint es dafür keine richtigen Waschplätze für Autos zu geben, lediglich Waschanlagen für außen, oder man bezahlt ein paar Asiaten, die einem dann das Auto von außen und innen reinigen. Das war zwar nicht wirklich, was ich wollte, aber aus der Not heraus gingen wir einfach zu einer der Handwaschanlagen. Für etwa 30€ wurde dann mein Auto gesaugt und gewaschen. Das Ergebnis war zwar nicht hundertprozentig, aber ich arbeitete den Rest in der Tiefgarage mit einem Handstaubsauger von Mercury innerhalb von zwei Stunden auf. Danach habe ich mich mit einem Interessenten getroffen. Ein Tscheche, welcher zusammen mit seiner Freundin wie ich für Work and Travel hier ist. Wir fuhren zu einer Autowerkstatt, wo das Auto auf technische Mängel geprüft wurde. Während wir warteten, liefen wir etwas durch die Stadt, tauschten unsere Erfahrungen in Kanada aus und tranken ein alkoholfreies Bier.
Mt Baker
Nach etwa einer Stunde war das Auto überprüft, alles in Ordnung. Nur die Bremsen wurden bemängelt. Allerdings konnte ich das nicht wirklich nachvollziehen, da diese kaum einen Grat an der Scheibe hatten. Nichtsdestotrotz konnten wir uns auf einen Verkaufspreis einigen, und was mir fast noch wichtiger war: Ich konnte das Auto fürs Wochenende noch behalten.
Am nächsten Tag hatte ich nämlich wieder einiges vor. Ich habe mich mit einem entfernten Verwandten aus Seattle verabredet. Genauer gesagt geht es um Stephen, den Sohn eines Cousins meines Opas. Also machte ich mich am Morgen auf den Weg zur US-Grenze. Nach etwa 30 Minuten Fahrt erreichte ich diese. Ich hielt mich wie üblich und wie alle anderen auf der rechten Spur, als plötzlich ein Schild (Nexus Spur) über der rechten Spur entstand. Ich hatte natürlich keine Ahnung, was das ist, und blieb rechts. Plötzlich teilte sich die Straße und es gab keinen Weg zurück. Links ging schon bald ein langer Stau los und ich hatte das Gefühl, dass ich mich dort hätte anstellen müssen. Ich war allerdings gezwungen, meiner Spur zu folgen, bis sich die Straßen wieder verbanden. Dort war dann ein neues Schild. Nexusspur rechts, der restliche Verkehr nach links. Damit war klar, dass ich falsch war. Nur hat mich jetzt natürlich niemand mehr reingelassen. Ich wartete also geduldig, bis schließlich ein paar Grenzbeamte kamen, welche mit Hunden die Autos in der Schlange prüften. Als sie bei mir ankamen, erklärte ich meine Situation. Die Polizisten stoppten die Schlange hinter mir und ließen mich einscheren. Trotz meines unabsichtlichen Vordrängelns war ich zu dem Zeitpunkt aber schon seit 30 Minuten im Stau. Beim eigentlichen Grenzbeamten angekommen, wurde mein Reisepass gescannt, ich bekam einen orangen Zettel und musste links auf einen Parkplatz fahren. Dort musste ich meinen Autoschlüssel aufs Armaturenbrett legen und in ein Gebäude gehen. Hier durfte ich mich bei einer weiteren Schlange anstellen. Leider ging hier fast gar nichts voran. Nach weiteren sechzig Minuten war ich schließlich dran. Der Grenzbeamte war sehr strikt und löcherte mich mit Fragen zu meinem Job, meinem Wohnort, meiner Kanadareise, zu den Verwandten, die ich besuchte etc. Anschließend musste ich 30 USD bezahlen, meine Fingerabdrücke abgeben und es wurde ein Foto geschossen. Nach etwa zwei Stunden durfte ich schließlich weiterfahren. Bei meinem Auto steckte der Schlüssel plötzlich im Zündschloss. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Fahrzeug durchsucht wurde. Während ich zuvor in der Schlange wartete, kamen nämlich immer wieder Beamte von draußen mit Gepäckstücken und Taschen und stellten Fragen an die jeweiligen Besitzer.
Nach weiteren 30 Minuten Fahrt erreichte ich Bellingham. Hier traf ich mich mit Stephen und seiner Frau. Die beiden waren total freundlich und es war richtig spannend, sich mit ihnen auszutauschen. Gemeinsam fuhren wir zum Vulkan Mount Baker, einem der größten Berge in Washington. Als ich auf Gabriola Island war, konnte ich den Berg schon aus der Ferne sehen, was total beeindruckend war.

Leider war die Straße schon bald mit Schnee bedeckt, weshalb wir zu Fuß weiter mussten. Das Wetter war anders als vorhergesagt sehr schön und wir hatten eine traumhafte Aussicht auf die Berge drumherum, leider aber nicht auf Mt. Baker, dieser war noch hinter einem anderen Berg versteckt.








Anschließend ging es wieder zurück nach Bellingham, wo wir gemeinsam mexikanisch zu Abend aßen und uns dann verabschiedeten.
Die Rückfahrt war total unproblematisch, an der Grenze war kein Stau, der Beamte fragte mich, was ich gemacht habe, ob ich irgendetwas gekauft oder geschenkt bekommen habe, und nach der Passkontrolle durfte ich auch schon weiterfahren. Das Ganze ging keine zehn Minuten.
Vancouver
Die nächsten Tage verbrachte ich wieder mit organisatorischen Dingen. Meine Sachen verkaufen, verschenken, entsorgen, Blogeinträge schreiben, Bilder bearbeiten, meine Rückkehr planen, Haare schneiden, Übergabe meines Autos etc. Ansonsten haben wir uns die Zeit mit Spaziergängen, kleineren Bauernmärkten und Sonnenuntergängen am Strand vertrieben.



Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich mit einem E-Roller gefahren. Außerdem wurde ich schließlich auch einmal mit einem der berühmten Wassertaxis durch den Hafen chauffiert.
Am Mittwoch ging es dann Golf spielen. Golf ist in Kanada ein richtiger Volkssport und nicht so wie in Deutschland nur den Reichen vorbehalten. Für etwa 20€ durften wir im Stanley Park alle 18 Löcher spielen und bekamen jeweils zwei Golfschläger ausgeliehen. Leider war ich nicht wirklich ein Naturtalent, Spaß machte es trotzdem. Mein Highlight war aber trotzdem ein Waschbär, der bei helllichtem Tag durch den Park spazierte und sich nicht wirklich davon beeindrucken ließ, als ich für ein Foto auf ihn zulief.




Am Donnerstag ging es dann zur Capilano-Hängebrücke. Das ist quasi ein Freizeitpark mit Totempfählen, Baumwipfelpfad und eben einer Hängebrücke über eine Schlucht. Sehr touristisch, da es leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Vancouver erreichbar ist.






Anschließend ging es noch auf den nahegelegenen Grouse Mountain. Innerhalb von etwa 70 Minuten habe ich dort den Gipfel erklommen, während Mercury entspannt mit der Gondel in die Höhe schwebte. Oben gab es dann Abendessen, bevor wir uns auf den Rückweg machten.


Übrigens: Mercury hat mir zum Abschied noch eine Mini-Schwarzwälder Kirschtorte gekauft, sehr witzig. Geschmacklich war sie auch ziemlich nah dran, nur etwas viel Sahne und nur eine Schicht.

Der Freitag war dann mein letzter Tag in Vancouver. Also Wäsche waschen, Koffer packen und ab geht’s an den Flughafen …
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