Nachdem um 5:30 Uhr mein Wecker klingelte, machte ich Frühstück, räumte die Wohnung und belud mein Auto. Dann ging es zur Horseshoe Bay (Hufeisenbucht), von wo aus ich dann mit der Fähre nach Vancouver Island übersetzte. Die Fahrt ging 1,5 Stunden, fühlte sich aber deutlich kürzer an. Ich verbrachte die gesamte Zeit auf dem Deck und hielt Ausschau nach Walen, Delphinen, Robben oder anderen Wildtieren. Leider waren die einzigen Tiere, die ich sah, stählerner Natur. Ach so, ja, und Möwen, überall.



In Nanaimo angekommen, suchte ich mir als Erstes einen Stadtpark an der Küste aus. Dort verbrachte ich fast drei Stunden mit in der Sonne sitzen und aufs Meer schauen. Es war wieder einmal ein herrlich sonniger Tag und der Park an der Küste eine willkommene Abwechslung zu den Bergen der letzten Tage.






Anschließend ging es weiter nach Gabriola Island, eine kleine Insel in der Nähe von Nanaimo, welche man über eine 30-minütige Fahrt mit einer Fähre erreicht.
Dort bin ich dann zu meinem nächsten Workaway gefahren. Diesmal soll ich Obstbäume auf dem Hof eines älteren Ehepaars schneiden. Was ich nicht so ganz bedacht hatte: Es war Ostersonntag und natürlich war die ganze Familie zu Besuch. Das war für mich erstmal ’n ziemlicher Sozialschock, schließlich war ich die letzte Woche abgesehen von Freitag Nachmittag und Sonntag komplett allein und habe mit niemandem außer den Kassierern der Supermarktkassen gesprochen. Plötzlich war ich inmitten einer großen Familie mit kleinen Kindern und mehreren Gesprächen, die gleichzeitig quer über den Tisch geführt wurden.
Sehr interessant war, dass die Großeltern beide in Deutschland geboren sind. Er (Georg) ist damals aber mit 4 Jahren mit seiner Mutter nach Schottland zu seiner Großmutter. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, ist seine Mutter allein zurück nach Deutschland, weil sie die Reise für das kleine Kind als zu gefährlich betrachteten. Nachdem England dem Krieg beitrat, gab es dann aber plötzlich keine Möglichkeit mehr, ihn zurückzuholen. Dadurch war die Familie erstmal gespalten und er wuchs bei seinen Großeltern auf. Sein Englisch ist für mich absolut akzentfrei bzw. hört sich stark nach britischem Englisch an. Seine Frau (Nicki) kommt aus München und der deutsche Akzent steckt noch tief in ihrem Englisch. Die Kinder sprechen akzentfreies Deutsch, bei den Enkelkindern hört es dann aber auf. Zu Hause wird aber trotzdem vorwiegend Englisch gesprochen, nur manchmal kommen vor allem von Nicki auch mal ’n deutscher Satz. Dann wird oft wild zwischen Deutsch und Englisch hin und her gewechselt. Für mich ist das noch etwas verwirrend.
An meinem ersten Arbeitstag ging es dann los mit dem Bäume schneiden. Die Bäume hier sind deutlich älter und Traditioneller geschnitten, als die Plantagenbäume bei meinem letzten Job. Ich brauchte erstmal eine weile um rein zu kommen.
Nach der Arbeit verbrachte ich nochmal etwas zeit am Strand, ich hab sogar ein neues Tier Fotografieren können. Eines mit dem ich niemals gerechnet hätte und welches ich natürlich auch in der Liste ergänzen musste. Es war Ebbe und ich habe tatsächlich Seesterne sehen können.

Auf dem Hof gibt es eine Hand voll Hühner, zwei Schafe und zwei Schwäne. Außerdem drei Hunde und eine Katze.


Die kommenden Tage verbrachte ich mit den restlichen Obstbäumen. Am Mittwoch bin ich dann mit dem lokalen Radsportverein Mountainbike fahren gegangen. Ich konnte mir ein Fahrrad meiner Gastgeber ausleihen. Anschließend ging es noch in eine Kneipe. Meinen Ausweis hatte ich natürlich nicht dabei. Nicht mal ein alkoholfreies Bier wurde mir ausgehändigt. Zum Glück war die Kneipe nur 3 Minuten mit dem Rad entfernt.
Von dem hofeigenen Strand hat man eine traumhafte Aussicht auf die Berge in Vancouver Island. Außerdem sieht man dort auch die süße Insel „Entrance Island“ (dt. Eingangsinsel). Auf dieser Insel leben zwei Familien, die im Schichtdienst den Leuchtturm betreiben.

Außerdem gibt es hier Kolibris. Als ich zum ersten Mal einen vor meinem Fenster fliegen sah, dachte ich, es handelt sich um eine übergroße Hornisse. Ich mein, hier ist alles größer, warum dann nicht auch die Hornissen? Bei genauerer Betrachtung erkannte ich dann, dass es ein kleiner Vogel war. Kolibris sind extrem schnell und durch ihre Größe nochmal schwerer zu fotografieren. Nur durch die Futterstation meiner Gastgeber konnte ich einigermaßen brauchbare Bilder schießen.





Am Donnerstag habe ich dann eine kleine Rundtour über die Insel gemacht. Mit dem Auto braucht man etwa 25 Minuten quer über die Insel. Leider verläuft die Straße mittig durch die Insel, wodurch man die Küste nur selten sieht. Es gab dennoch einige spannende Orte zu erkunden. Sogar einen Otter habe ich zu Gesicht bekommen.








Am Samstag habe ich dann einen weiteren Ausflug in einen Provincial Park unternommen. Hier liegt ein Sumpfgebiet direkt in der Nähe des Strandes, was es zum perfekten Lebensraum für jede Menge Tierarten macht. Außer Vögeln konnte ich sogar eine Schlange beobachten.











Am Sonntag findet eine weitere Ausfahrt des Radsportvereins statt, bei welcher ich mich wieder anschließen darf. Anschließend geht es dann wieder nach Vancouver Island.
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