Diese Woche habe ich wieder mit Reben- und Obstbaumschneiden sowie dem „Erziehen“ der jungen Reben verbracht. Während so langsam die ersten Blumen anfingen zu blühen, hat es dann am Freitag unerwarteterweise nochmal bis ins Tal geschneit. Damit wir nicht schon mittags komplett durchgefroren und nass sind, haben wir in der Werkstatt die Decke gedämmt. Gegen Mittag war der Schnee dann aber auch schon wieder weg.


Am Samstag bin ich dann in den etwa zwei Stunden entfernten „Manning Park“ gefahren da es hier einen schönen Wanderweg entlang mehrerer Seen gibt. Wandern war hier aber nie mein Plan, stattdessen schnallte ich meine Langlaufski an und lief eine Runde um die Seen. Ab dem zweiten See war es ein wahres Winterwunderland mit unberührtem Schnee.








Als ich zurück am Auto war, entdeckte ich eine Nachricht auf meinem Telefon. Vince fragte, ob ich mit ihm Sonntag und Montag Skifahren gehen möchte. Er hat eine Jahreskarte für Revelstoke (eines der bekanntesten Skigebiete in Kanada) wodurch ich zum halben Preis mit ihm Ski fahren kann. Ich habe schon lange darauf gewartet, mit ihm dorthin zu gehen, also bin ich schnell die zwei Stunden zurückgefahren. Sachen gepackt und weitere 1,5h nach Kelowna. Dort ging es dann in aller Früh um 5:30 Uhr los, damit ich mich mit ihm um 7:00 Uhr in Salmon Arm treffen kann und wir um 8:30 Uhr kurz nach Liftstart auch mit Skifahren loslegen können. Das Wetter war für Revelstoke Verhältnisse perfekt. Das Skigebiet ist vor allem für seine steilen Pisten und die große Menge an Schnee bekannt. Viel Schnee bedeutet aber auch viel Schneefall mit schlechter Sicht, doch wir hatten Glück. –14 °C, blauer Himmel, perfekte Pisten und keine Wartezeit. Ich war so mit Skifahren beschäftigt, dass ich nicht einmal ein Bild machen konnte.
Meine nächste Nacht verbrachte ich mit ihm bei seinen Eltern zu Hause, die mir freundlicherweise ihr Gästezimmer zur Verfügung stellten. Zum Abendessen gab es natürlich Burger und dann fing es auch schon an zu schneien. Am nächsten Morgen lagen in Salmon Arm dann plötzlich etwa 10cm Schnee. So viel Schnee gab es den ganzen Winter noch nicht. Also auf nach Revelstoke. Nun hatte ich die einmalige Gelegenheit, den berühmten kanadischen Pulverschnee kennenzulernen. Trotz verschneiter Straße pünktlich um 8:20 im Skigebiet angekommen, dann der Schock. Ganz Kanada scheint sich am heutigen Tag spontan freigenommen zu haben, um in Revelstoke Ski zu fahren. Zuerst standen wir fürs Ticket, dann für die erste Gondel und anschließend für die zweite Gondel. Bis wir also tatsächlich auf dem Berg waren, war es bereits 10:00 Uhr. Aber zur ersten richtigen Abfahrt kam es erst, nachdem wir weitere 15 Minuten am ersten Sessellift angestanden hatten. Bis dahin war auf den Pisten der meiste Tiefschnee schon verfahren. Präpariert war am heutigen Tag übrigens gar nichts. Das ist hier wohl so üblich. Dadurch waren die Pisten aber schon ziemlich buckelig, woran ich nicht so viel Freude fand. Viel spannender war es, sich zwischen den Bäumen frische Tiefschnee-Spuren zu suchen, womit ich den restlichen Skitag verbrachte. Trotz der vielen Menschen und der Tatsache, dass das Skigebiet eigentlich nur zwei Sessellifte hatte, hielt sich die Wartezeit in Grenzen.



Bis wir zurück in Salmon Arm waren, war es dann bereits 18:30 Uhr. Ich holte noch geschwind meine Sommerräder bei meiner alten Gastgeberin ab. Diese hatten, als ich abgereist bin, mit meinem ganzen Gepäck leider nicht mehr ins Auto gepasst. Gegen 20 Uhr in Kelowna angekommen, gönnte ich mir noch eine Stunde im Thermalbad mit Sauna. Da ich keine Lust hatte, bei Dunkelheit zurückzufahren, und die Temperaturen in der Nacht nicht unter 6°C fallen sollten, suchte ich mir einen schönen Ort zum Übernachten und schlief spontan in meinem Auto. Meine Matratze, meinen Schlafsack und mein Kopfkissen habe ich praktischerweise immer dabei.

Am nächsten Morgen wachte ich dann eng zusammengekuschelt mit meinen Reifen bei dieser Aussicht auf. Obwohl es am Abend so warm war, dass ich den Schlafsack nicht einmal komplett geschlossen hatte und mir immer noch zu warm war, kühlte es in der Nacht stärker als erwartet auf 2°C ab, wodurch mein Schlaf nur so semi-erholsam war. Voller Muskelkater und Schlafmangel quälte ich mich aber nach meinem Frühstück mit Aussicht noch auf eine 1,5-stündige Wanderung, um wenigstens etwas Bewegung zu bekommen.






Eigentlich wollte ich anschließend zurückfahren, doch dann entdeckte ich einen Adler direkt neben dem Wanderparkplatz. Ich mein, ich will mich wirklich nicht beschweren, aber Adlerbilder hab ich inzwischen eigentlich genug. Ich warte immer noch auf meinen ersten Bären und das kanadische Nationaltier – den Biber.




Nach der Rückfahrt nach Cawston verbrachte ich meinen restlichen Tag trotz leichter Kopfschmerzen mit Entspannen in der Sonne bei 21°C. Der Frühling in den Bergen ist einfach verrückt, an einem Tag ist man im Tiefschnee Skifahren und am nächsten liegt man im T-Shirt in der Sonne.
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