Am nächsten Morgen wollte ich wieder eine Wanderung machen. Wir befanden uns schließlich im Herzen der Rocky Mountains. Ein Blick aus dem Fenster und ich wusste: Der Frühling der letzten Tage ist vorbei. Der Winter hat wieder die Vorderhand übernommen.
Mich konnte aber erstmal nichts abbringen. Schnee vom Auto gefegt und ab zum „Balancing Rock Trail“ (dt. Balancierter Felsbrocken weg). Nach einer kurzen Motivations- und Überwindungspause im Auto auf dem Parkplatz ging es dann trotz starkem Schneefall für mich auf den Wanderweg. Die Aussicht war gut, nur leider nicht sehr weit.

Noch war fast alles grün … Am besagten Felsbrocken angekommen, änderte sich das dann aber recht schnell.

Da ich bis dahin erst etwa eine Dreiviertelstunde unterwegs gewesen war, entschied ich mich, noch etwas weiterzugehen. Der Weg führte über teilweise eingestürzte Brücken in Sumpfgebieten über steile Serpentinen hoch auf über 1000 m. Der Schnee wurde immer tiefer.

Schließlich erreichte ich mein Ziel – einen Wasserfall. Dieser war leider weniger spektakulär, als ich es mir erhofft hatte …


Da es ununterbrochen weiter schneite und es tatsächlich recht steil war, war ich dann beim Abstieg wirklich froh über meine Grödeln.



Zurück im Motel entschieden wir uns aufgrund des Wetters, den restlichen Tag im Recreation Center der Stadt zu verbringen. Diese Freizeitzentren befinden sich in jedem größeren Ort in Kanada und bieten meist ein Fitnessstudio, Schwimmbad mit Sauna und Whirlpool, Sporthalle, Eisstadion, etc. Der Eintritt für das Schwimmbad mit Sauna und Whirlpool beträgt normalerweise unter 6€.
Am Abend waren wir dann noch koreanisch essen, wobei Mercury bereits verweigert wurde, weiteres Bier zu bestellen. Später gab es für ihn in einer Bar aber doch noch ein Bier.
Am nächsten Tag ging unsere Reise weiter. Die Straßen waren zum Glück wieder komplett schneefrei und wir folgten dem Kootenay Lake, bis wir schließlich pünktlich 15 Minuten vor Abfahrt den Fährenanleger erreichten. Was wir allerdings nicht wussten: Zwischen unserer letzten Unterkunft und dem Fährenanleger haben wir eine Zeitzone überschritten. Komischerweise verläuft die Zeitzone in den südlichen Rocky Mountains nämlich nicht entlang der Provinzgrenze von British Columbia und Alberta, sondern naja, irgendwo anders eben. Während wir dort also so warteten, trafen wir auf einen anderen verwirrten Touristen, Matthias aus Deutschland. Gemeinsam konnten wir unsere Vermutung, dass wir jetzt eine Stunde früher dran waren als geplant, bestätigen. Um sicherzugehen, fragten wir schließlich noch einen Einheimischen und entschieden uns dann, die extra Stunde zu nutzen und noch einen historischen Leuchtturm in der Nähe zu besichtigen.


Anschließend brachte uns die längste kostenlose Fähre Kanadas innerhalb von 40 Minuten ans andere Ufer. Gegen 15 Uhr erreichten wir somit etwas zu früh zum Einchecken die Stadt Nelson. Ich hatte ein kleines Städtchen in den Bergen erwartet, ähnlich wie Ischgl, stattdessen war hier tatsächlich eine richtige Stadt mit über 10 000 Einwohnern. Um die Zeit zu überbrücken, gingen wir durch die Innenstadt und schauten uns verschiedene Geschäfte an. Nach nicht allzu langer Zeit fanden wir uns aber auch schon in der nächsten Brauerei wieder. Da ich das Auto noch umparken musste, habe ich erstmal nur ein Bier getrunken. Wir unterhielten uns mit ein paar Leuten an der Bar und schließlich war es auch schon 18 Uhr. Mercury war nicht so begeistert, dass ich die Bar nun verlassen wollte, um im Hostel einzuchecken, also ließ ich ihn dort und erledigte die Formalitäten allein. Gegen 19 Uhr zurück in der Bar war er dann bereits so angeheitert, dass der Barkeeper nur meinte: „Das hier wird sein letztes Bier.“ Während wir uns also weiter mit unseren Sitznachbarn in der Bar unterhielten, fiel Mercury fast von einem Barhocker, woraufhin einer der Sitznachbarn entschied, sein restliches Bier zu entleeren. Da Mercury jedoch kein Bier mehr hatte und auch keines mehr bekam, begann er, das Bier seines Sitznachbarn zu trinken, worauf wir aus der Bar geworfen wurden. Nur mithilfe des besagten Sitznachbarns schaffte ich es, ihn unter Widerstand ans Hostel und dort in sein Bett zu bringen. Nachdem er schließlich im Bett lag, machte ich mich auf den Weg zurück in die Stadt, schließlich hatte ich noch gar kein Abendessen. Nach meinem Abendessen zurück im Hostel machte ich mich bettfertig, als Mercury plötzlich vor mir stand und sagte: „Hey heute bin ich mal früh wach, es ist 10 Uhr und ich bin topfit.“ Das Problem war jedoch: Es war 10 Uhr abends, nicht morgens.
Am nächsten Morgen ließ ich Mercury erstmal schlafen und machte mich auf den Weg zu einer Wanderung. Er war übrigens davon überzeugt, dass ihm jemand etwas ins Getränk gemischt hatte. Die Straßen waren auch hier in den höheren Lagen recht schneefrei, jedoch war ringsum alles tief von Schnee bedeckt.

An der Wanderung angekommen, entschied ich mich, meine Langlaufskier auszupacken. Der Schnee war viel zu tief – deutlich tiefer als meine Wanderschuhe. Also: Skier angeschnallt und los ging die wilde Fahrt. Über enge Brücken entlang eines Flussufers und einer ehemaligen Silbermine ging es dann zur Attraktion der Wanderung. Eine handbetriebene Seilbahn, die einen auf das andere Ufer des Flusses befördert. Leider war diese jedoch aufgrund der Jahreszeit gesperrt.







Auf dem Rückweg habe ich mir noch einen historischen Schaufelraddampfer angeschaut. In den Sommermonaten kann man sich das zum Museum umgebaute Schiff auch von innen anschauen, im Winter ist das jedoch geschlossen. Anschließend machte ich dann noch an einem Wasserfall Halt.



Am Abend gingen wir dann noch in die heißen Quellen von Ainsworth. Das Besondere hier: Es gab Höhlen, die von heißem Wasser gefüllt waren und wo man durchlaufen oder schwimmen konnte. Das Wasser dort war bis zu 42°C warm. An einer Stelle blubberte natürliche Kohlensäure aus dem Boden und die Luft war warm wie in einer Dampfsauna. Das war mit Abstand die beste kommerzielle heiße Quelle, die ich hier besucht habe. Außerdem haben wir hier Peter aus Thüringen getroffen, welcher anschließend auf ein Glas Bier mit uns zurück nach Nelson gefahren ist. Peter schläft in seinem Auto, mir ist das noch etwas zu kalt, aber sobald die Temperaturen auch nachts wieder über dem Gefrierpunkt liegen, will ich das definitiv auch öfters machen.
Unseren zweiten Tag in Nelson habe ich etwas entspannter angehen lassen und erstmal ausgeschlafen. Nach dem Frühstück ging es dann los auf die Loipe. Es hatte mal wieder kräftig geschneit, bzw. es war immer noch voll im Gange.

Aufgrund des Schneefalles haben wir aber auch hier nicht allzu viel Zeit verbracht und haben nochmal eine kleine Runde durch die Stadt gedreht. Wie in Kanada so üblich befinden sich hier überall Wasserfälle, so auch in einem der Stadtparks von Nelson.


Den Abend haben wir dann noch im Whirlpool und in der Sauna im Recreation Center ausklingen lassen.
Der nächste Tag war dann auch schon mein letzter für diese Rundreise. Am Morgen ging es für mich bei endlich wieder blauem Himmel auf eine ehemalige Eisenbahntrasse, wo ich mich etwas auf meinen Langlaufskiern übte, wobei ich fast von einem Hund zerfleischt wurde. Anschließend musste ich im Hostel auschecken. Zu guter Letzt haben wir noch die Sonne auf der anderen Seite des Flusses genossen, bis ich mich von Mercury verabschiedet habe. Er möchte noch für ein paar Tage dem schlechten Wetter im Regenwald von Vancouver entfliehen, während es für mich ins ruhige und sonnige Similkameen Valley weiterging.


Auf dem Weg dorthin habe ich noch einen Zwischenstopp gemacht, da ich noch nicht genug vom Langlaufen hatte. Also nochmal zwei Stunden hoch und runter über extrem aufregende und schmale Wege inmitten einer wunderschönen Schneelandschaft bei herrlichem Wetter.




Der Weg führte mich weiter durch die Berge, bis ich das Okanagan-Tal kreuzte und ins Similkameen-Tal einbog.

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