Tag #108 – #115 Weihnachtsurlaub

   

Written by:

Nachdem der Montagvormittag recht ruhig verlief, ging am Nachmittag der Sturm wieder los. Da gerade eine Leitung für Wartungen stromlosgeschaltet wurde, nutzen wir die Gelegenheit, möglichst viele Bäume entlang dieser Leitung zu fällen. Dadurch mussten wir keine Seile mehr in die Bäume machen und schafften über 70 Bäume.

Bis wir heimfuhren, hatten wir bereits etwa 1,5 Überstunden. Nachdem wir 50 Minuten unseres Rückwegs bereits hinter uns gehabt hatten, kam dann der Anruf. Baum auf der Stromleitung, wir müssen zurück. Also kurzerhand umgedreht und wieder 50 Minuten zurück. Dort angekommen glaubte ich meinen Augen kaum. Der Baum lehnte an der noch vollkommen intakten und sogar noch stromführenden Leitung über einem Haus. Lediglich die Stromleitungen hielten den Baum davon ab, auf das Haus zu krachen. Glück im Unglück, würd ich sagen. Der Baum war außerdem wohl so trocken, dass er perfekt isolierte. Es waren keinerlei Brandspuren oder Ähnliches, was auf einen Kurzschluss hindeuten würde, zu erkennen.

Glücklicherweise hatten wir diese Woche unseren Hubsteiger-Lkw dabei. Dadurch konnte mein Vorarbeiter dem Baum Stück für Stück von oben abnehmen. Er musste jeden Ast und jedes Stammstück nach dem Sägen festhalten und zwischen Stromleitung und Haus werfen, um nichts zu beschädigen. Währenddessen immer wieder starke Böen, wodurch wir unsere Arbeit sogar kurz unterbrechen mussten. Gegen 21 Uhr waren wir dann endlich fertig und konnten wieder heimfahren. Um 22:30 Uhr daheim ging es für mich direkt ins Bett, denn um 6:30 Uhr ging es direkt wieder zurück. Das entspricht genau den geforderten acht Stunden Pause zwischen den Schichten hier in Britisch Columbia.

Die restlichen Tage verliefen zum Glück entspannter. Durch den weiterhin starken Wind wurden wir mehrfach an verschiedene Orte gerufen, um Bäume auf Straßen und von zerstörten Leitungen zu entfernen. Dadurch bestand ein Großteil der Arbeit aber auch einfach aus Fahren.

Am Mittwoch kam dann der Weihnachtszug nach Salmon Arm. Der Zug ist eine Wohltätigkeitsaktion und Werbeaktion des Güterzugbetreibers in den USA und Kanada (CPKC). Der Zug fährt quer durch ganz Kanada und hält in vielen Ortschaften. Dort gibt es Verkaufsstände und auf dem Zug befindet sich eine Bühne, von welcher verschiedene Bands Konzerte geben. In Salmon Arm waren es die „Barenaked Ladies“. Eine in Kanada ziemlich bekannte Band. In Deutschland kennt man sie höchstens durch die Titelmusik der Serie „Big Bang Theory“.

Das Konzert an sich war komplett kostenlos, wodurch unglaublich viele Menschen vor Ort waren. Noch nie habe ich so viele Menschen in dieser Stadt auf einem Haufen gesehen. Leider habe ich deshalb auch kein richtiges Foto von der Bühne. Die Musik hat mich ehrlich gesagt nicht so umgehauen, aber bei ihrem Top-Hit in Kanada „If I had a million dollars“ haben plötzlich alle mitgesungen, aber wirklich gesungen. In Deutschland wird bei so etwas immer eher gegrölt, aber das hat sich wirklich gut angehört. Das war wirklich ein Gänsehautmoment.

Am Donnerstag war dann der letzte Arbeitstag. Wir starteten erst um 7:30, das hat sich schon fast wie Wochenende angefühlt, wenn man bedenkt, dass ich sonst um 5:40 abgeholt wurde. Wir haben noch einen Baum bei einem Geschäftspartner gefällt und dann ging es zum Grundstück vom Chef. Dort haben wir die Maschinen geputzt und gewartet. Meine Hauptaufgabe war es, die Lkw mit dem Hochdruckreiniger und einer Art Wischmopp zu reinigen. Gegen zwei gab es dann Bier vom Chef und die Arbeitsleistung wurde langsam heruntergefahren. Nach dem ein oder anderen Bier ist uns dann aufgefallen, dass durch unsere Reinigungsaktion die Einfahrt total verschlammt war. Also mussten ein paar wieder raus und den Hof mit dem Hochdruckreiniger abspritzen, ich war natürlich einer der Ausgewählten. Naja, etwas durchnässt ging dann der gemütliche Teil in der warmen Garage weiter. Dabei gab es dann quasi schonmal eine kleine Bescherung. Wir haben alle ein kurzärmeliges und ein langärmeliges T-Shirt, einen Pullover, eine Wintermütze und eine Baseballmütze mit Firmenlogo bekommen. Außerdem habe ich bei der Fällung am Vormittag auch eine Wintermütze und zwei Paar Arbeitshandschuhe geschenkt bekommen. Der Tag hat sich also wirklich fast wie Weihnachten angefühlt.😂

Am Freitag war ich dann bei traumhaftem Wetter langlaufen. Über Nacht gab es 5cm Neuschnee, präpariert war aber nichts. Langlaufen im Tiefschnee war für mich etwas gewöhnungsbedürftig, der Aufstieg war extrem anstrengend, dafür war die Abfahrt im frischen Tiefschnee umso schöner.

Am Samstag habe ich für meine Gastgeberin gearbeitet und war am Nachmittag noch im Schwimmbad. Für 5€ Eintritt bekommt man hier ein 25-m-Becken, einen Whirlpool mit 40°C warmem Wasser, ein Kinderplanschbecken und eine Sauna. Leider wurde ich bereits nach einer Stunde herausgeworfen, da dann wohl ein Schwimmkurs stattfinden sollte. Am Abend war ich dann bei einem Konzert des Chors, in welchem meine Gastgeberin ist. Es war sehr interessant, aber auch wirklich gut.

Am Sonntag war „Santa cruise“ auf der Hausloipe von Salmon Arm. Dabei handelte es sich um eine gemeinsame Langlaufausfahrt in passenden Weihnachtsoutfits. Ich habe mir extra eine Weihnachtsmütze gekauft. Ich hatte etwas die Hoffnung, dort Gleichgesinnte zu treffen,  jedoch waren hier hauptsächlich Familien mit kleinen Kindern, wodurch ich erfolglos blieb. Eine schöne Runde Langlaufen konnte ich dennoch, die Loipe wurde extra dafür frisch präpariert. Am Abend habe ich mich noch mit Vince auf ein Bier getroffen. Eigentlich wollten wir noch Billard spielen, aber die einzige Kneipe mit Billardtisch hat bereits um 20 Uhr geschlossen.

Hinterlasse einen Kommentar