Tag #101 – #107 Sturm im Waldbrandgebiet

   

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Der Schnee in Salmon Arm ist diese Woche wieder komplett geschmolzen. Zwischenzeitlich hat es zwar noch einmal geschneit, jedoch ist davon nichts liegen geblieben. Die Temperaturen liegen immer noch im einstelligen Bereich.

Auf der Arbeit war diese Woche einiges los. Am Dienstag war Sturm mit etwa 40km/h Windböen. Da die Bäume im Waldbrandgebiet so geschwächt sind, konnten wir quasi im Minutentakt Bäume beim Umfallen beobachten. Arbeiten war unter diesen Bedingungen nicht möglich. Doch bereits kurz nach unserer Ankunft bekam mein Vorarbeiter eine Störungsmeldung – Baum auf der Stromleitung, keine zwei Kilometer von unserem aktuellen Standort. Wir waren die Ersten dort und mussten jetzt auf die Mitarbeiter des Stromversorgers warten, damit diese die Leitung erden konnten. Nachdem diese ankamen, wurde die Lage besprochen und erstmal etwas gewartet, ob der Wind nachlässt. Nach insgesamt zwei Stunden vor Ort wurde dann die Leitung geerdet und wir konnten den Baum entfernen. Beziehungsweise eigentlich hat mein Vorarbeiter alles gemacht und wir haben auf die Bäume in der Umgebung geachtet. Mir war nicht bewusst, wie viel mechanische Spannung auf der Stromleitung war, auf welcher der Baum lag. Als mein Kollege den Baum halbierte, wurde die Hälfte, welche auf der Leitung lag, mehrere Meter durch die Luft geschleudert. Wir hatten zum Glück alle ausreichend Abstand, aber es war sehr beeindruckend.

Inzwischen wurde ein weiterer Baum auf der Leitung gemeldet. Während wir den ersten Baum entfernten, haben die Kollegen des Stromversorgers die zweite Leitung geerdet. Also fuhren wir etwa zwanzig Minuten zum zweiten Baum und das Spiel begann von vorne. Danach war bereits Mittag. Nach der Mittagspause war der Sturm quasi vorbei und wir konnten unsere reguläre Arbeit fortsetzen.

Am Mittwoch sind wir an einen Baum in sehr schlechtem Zustand gekommen. Der Baum war stark verrottet und war in Richtung Stromleitung geneigt. Meine Kollegen entschieden, nicht auf diesen Baum zu klettern. Am nächsten Tag waren dann auch wieder die Kollegen des Stromversorgers vor Ort, um die Leitung in der Nähe dieses Baums stromfrei zu schalten und zu erden, nur für den Fall, dass etwas schiefgeht. Anschließend haben wir mit einem Wurfseil den Baum an die Seilwinde gehängt. Mein Vorarbeiter fällte ihn, während ich in sicherer Entfernung wartete und filmte. Zum Glück verlief alles glimpflich und der Baum war bereits beim Aufschlag dem Erdboden gleich. Keine Äste und keine Stammstücke, die keinen Bodenkontakt hatten.

Am Freitag habe ich dann wieder für meine Gastgeberin gearbeitet. Am Abend ging es dann zum Weihnachtsessen meiner Firma. Wir waren in einer Kneipe mit all meinen Kollegen und ihren Familien. Einer meiner Kollegen hatte sogar sein unter einem Jahr altes Kleinkind dabei. Es wurde viel gegessen und vor allem auch getrunken. Nach dem Essen hat der Chef pausenlos Flying Hirsch (Jägermeister mit Energydrink) bestellt. Gegen halb zwölf waren alle ziemlich betrunken und wir gingen nach Hause, besser gesagt kam die Schwester einer meiner Kollegen und wir fuhren zu siebt in einem kleinen Fünfsitzer die Wohnorte der Kollegen ab.

Am Samstag waren Muriel und ich Langlaufen. Diesmal waren manche Loipen auch mit Klassikspuren präpariert. Dies war sehr wichtig, denn es war Muriels letztes Wochenende hier, und so konnte sie zum ersten Mal Langlaufen gehen.

Am Abend sind wir dann noch zum Eishockey gegangen. Es war „Teddybär wurf“. Das bedeutet, die Fans konnten Teddybären mit ins Stadion bringen, welche dann beim ersten Tor der Heimmannschaft aufs Spielfeld geworfen wurden. Die Teddybären wurden anschließend gesammelt und an Wohltätigkeitsorganisationen und Krankenhäuser gespendet. Das Spiel war extrem spannend. Obwohl die gegnerische Mannschaft in der Gruppe erster Platz war und Salmon Arm nur im Mittelfeld lag, war es sehr ausgeglichen. Jedoch blieben die ersten beiden Drittel torlos. Im letzten Drittel erzielte Salmon Arm dann tatsächlich ein Tor und schon begannen die Teddys zu fliegen.

In den letzten zwei Minuten waren dann plötzlich sieben statt vier Spieler der gegnerischen Mannschaft auf dem Feld. Nach einigen Diskussionen gab es eine Zwei-Minuten-Strafe. Die Gegner nahmen den Torwart raus für einen weiteren Feldspieler, was ein Fehler war, und es kam zum 2:0. Der Trainer war darüber so verärgert und fluchte wohl so laut, dass er schließlich auch noch vom Platz verwiesen wurde. Somit gewannen die Salmon Arm Silverbacks und wir waren glücklich.

Auf dem Heimweg kamen wir an ein paar sehr schön, aber natürlich typisch amerikanisch dekorierten Häusern vorbei. Hier eines davon:

Am Sonntag war dann der letzte Tag der Mädels hier. Also beschlossen wir zusammen Pancakes als Abschiedsfrühstück zu machen.

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